Aktuell 1/2013

Satzungsänderungen zum 01.01.2014

Satzungsänderungen zum 01.01.2014

 

1. Änderung bei der Sicherheitsrücklage

Die Sicherheitsrücklage der Versorgungsanstalt dient nach der Satzung nur zum Ausgleich außergewöhnlicher Belastungen. Sie ist somit nicht Bestandteil des Deckungsstocks, fließt also nicht in die versicherungsmathematische Berechnung des Punktwerts ein. Bisher sah die Satzung vor, dass die Sicherheitsrücklage wenigstens 5 % des Deckungsstocks beträgt. Der Verwaltungsrat konnte diese Grenze auf bis zu 7,5 % erhöhen. Die Kapitalmarkt- und Schuldenkrisen der vergangenen Jahre haben gezeigt, dass die Vermögensanlage erheblich größeren Schwankungen unterworfen ist, als  in den vorangegangenen Jahrzehnten.

Auch werden an Altersversorgungseinrichtungen zukünftig höhere Eigenmittelanforderungen gestellt. Aus diesem Grund ist die Regelgrenze der Sicherheitsrücklage auf 6 % des Deckungsstocks angehoben worden; der Verwaltungsrat ist jetzt ermächtigt, die Grenze auf bis zu 9 % zu erhöhen.

2. Änderung der Abgaberegelungen

Den Schwerpunkt der Änderungen bildet die Anhebung des allgemeinen Beitragssatzes von 9 % auf 12 % der Berufseinkünfte des vorletzten Jahres. Anlass für die Anhebung ist das zum 01.01.2005 eingeführte Alterseinkünftegesetz (siehe VA - Aktuell 2/2004, 2/2005 und 3/2005, verfügbar auf den Internetseiten der Versorgungsanstalt). Danach können im Jahr 2014 bereits 78 % der Versorgungsabgaben zur Versorgungsanstalt bis zur Höchstgrenze als Sonderausgaben steuerlich geltend gemacht werden. Gleichzeitig steigt aber Jahr für Jahr der Teil der Rente, der der Besteuerung unterworfen wird (2014:  68 %). Durch das zunehmende Absinken der Nettorente geht der Nettoversorgungsgrad der Teilnehmerinnen und Teilnehmer stetig zurück. Um diese Entwicklung zu stoppen, wird der Beitragssatz zum 01.01.2014 angehoben. Hierdurch wird erreicht, dass der steuerliche Sonderausgabenabzug zunehmend ausgeschöpft wird und der individuelle Netto-Rentenanspruch – gemessen an der Mehrbelastung durch den höheren Abgabesatz – überproportional gesteigert wird (siehe Tabelle in der Seitenmitte mit sechs Fallbeispielen). 

 

Entwicklung des Netto-Rentenanspruch
 
Weitere Fallkonstellationen und detailliertere Rechnungen finden Sie auf den Internetseiten der Versorgungsanstalt unter „Für Teilnehmer“–„Satzung“–„Satzungsänderungen“–„Berechnungen zu § 23 Abs. 1 der Satzung“.

Damit der Abgabehöchstbetrag mit dem Doppelten der Durchschnittsabgabe  (2013: 23.952,- EUR) den Höchstbetrag des Sonderausgabenabzugs (20.000,- EUR p.a. für Alleinstehende) nicht markant überschreitet, wird die Höchstgrenze auf das 1,7-fache der Durchschnittsabgabe (2014:  20.889,60 EUR) abgesenkt; damit entfällt die bisherige Möglichkeit der Herabsetzung auf das 1,8-fache der Durchschnittsabgabe. Da gleichzeitig der allgemeine Zuzahlungsspielraum erweitert und von 10% auf 20 % der Pflichtabgabe erhöht wird, bleibt die Zahlung des bisherigen höchsten Pflichtabgabesatzes (das Doppelte der Durchschnittsabgabe) weiterhin möglich; maximal kann somit durch Pflichtabgabe und Zuzahlung eine Abgabe von 204 % p.a. erreicht werden.

Die erweiterte allgemeine Zuzahlungsmöglichkeit von 20 % der Pflichtabgabe steht auch den über 57-jährigen Teilnehmerinnen und Teilnehmern offen.

Die über die allgemeine Zuzahlung von 20% hinausgehende Zuzahlungsmöglichkeit, die Pflichtabgabe durch freiwillige Zuzahlungen auf die Durchschnittsabgabe aufzustocken, wird bis zum jährlichen Höchstbeitrag zur Deutschen Rentenversicherung (2014:  voraussichtlich 13.494,60 EUR) angehoben.

3. Flexibler Eintritt in den Ruhestand

Durch die Satzungsänderungen zum 01.01.2014 wird u.a. der Eintritt in den Ruhestand flexibilisiert.

Zum einen wird es für alle Versorgungsfälle, die nach dem Jahreswechsel 2013/2014 eintreten, möglich, die reguläre Altersgrenze, die für die Jahrgänge bis 1949 65 Jahre und ab dem Jahrgang 1961 67 Jahre beträgt, um bis zu 3 Jahre hinauszuschieben. Der hierfür notwendige Antrag muss spätestens 2 Monate vor Erreichen der Altersgrenze gestellt sein. Mit derselben Frist wird dann durch Antrag der Beginn des hinausgeschobenen Altersruhegeldes festgelegt. Durch das Hinausschieben erwirbt die Teilnehmerin bzw. der Teilnehmer weitere Jahresleistungszahlen, die sich für jeden vollen Monat des Hinausschiebens um einen Zuschlag von 0,5 % erhöhen.
Zum anderen ist es möglich, das Altersruhegeld zwischen der vorgezogenen Altersgrenze (bis zum Jahrgang 1949 60 Jahre; ab dem Jahrgang 1961 62 Jahre) und der hinausgeschobenen Altershöchstgrenze (bis Jahrgang 1949 68 Jahre; ab Jahrgang 1961 70 Jahre) als Teilrente in Höhe von 30 %, 50 % oder 70 % der Vollrente zu wählen. Das Altersruhegeld kann somit in maximal 2 Teile aufgespalten werden. Wird z.B. der erste Teil des Altersruhegeldes mit Vollendung des 63. Lebensjahres in Höhe von 50 % gewünscht, wird die bis zu diesem Zeitpunkt erreichte Summe der Jahresleistungszahlen hälftig geteilt. Während die erste Hälfte mit dem versicherungsmathematischen Abschlag für das Vorziehen der Altersgrenze belegt wird, erwirbt die Teilnehmerin bzw. der Teilnehmer durch nachfolgende weitere Abgabezahlungen zusätzliche Jahresleistungszahlen, die die 2. Hälfte der Summe der Jahresleistungszahlen erhöhen; die Summe hieraus bildet dann die Grundlage der Berechnung der 2. Hälfte des Altersruhegeldes. Diese 2. Hälfte kann ein weiteres vorgezogenes, ein reguläres oder ein hinausgeschobenes Altersruhegeld sein.

4. Begrenzung von Kinderzuschlägen und Waisenrenten

Die Satzungsänderung sieht vor, die bisherige Höchstgrenze für den Bezug von Kinderzuschlägen und Waisenrenten, die mit Vollendung des 27. Lebensjahres eines Kindes erreicht wurde, auf das 25. Lebensjahr abzusenken. Der Satzungsgeber hat damit die Entwicklung des Kindergeldrechts aus dem Jahre 2007 mit zeitlicher Verzögerung nachvollzogen. Einer Abschaffung des Kinderzuschlags zum Altersruhegeld, wie dies Versorgungswerke in anderen Bundesländern vorgenommen haben, ist der Satzungsgeber nicht näher getreten. Der Übergang zum neuen Recht beginnt mit dem Geburtsjahrgang 1990 (Bezugshöchstgrenze: Vollendung des 26. Lebensjahres); ab dem Geburtsjahrgang 1991 wird die Bezugshöchstgrenze mit Vollendung des 25. Lebensjahres erreicht. Die übrigen Regelungen zu den Kinderzuschlägen und Waisenrenten bleiben unverändert.

 

 

Der Netto-Versorgungsgrad

 

 

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Standpunkt der Präsidentin

Standpunkt der Präsidentin

Präsidentin Dr. Hemberger
Präsidentin Dr. Hemberger

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen 

in den vergangenen Wochen und Monaten haben Sie immer wieder Berichte über die wirtschaftliche Lage von berufsständischen Versorgungswerken in der Tagespresse lesen können. Gegenstand der Befassung war die Frage, welche Folgen sich für die Versorgungswerke aus den Kapitalmarktkrisen und den historisch niedrigen Zinsen ergeben. Dabei wurde stets spekuliert, ob einzelne Versorgungswerke „wackeln“. Dies wurde von unserem Dachverband, der Arbeitsgemeinschaft berufsständischer Versorgungseinrichtungen e.V. (ABV) zurückgewiesen. Wie aber ist die Lage wirklich bei uns?

 

Kapitalmarkt und seine Folgen

Die Presse hat ein Problem aufgegriffen, das alle Bereiche betrifft, die Kapital ansparen, aus welchen Gründen auch immer. Dazu gehören z.B. neben Stiftungen sämtliche Formen der Altersvorsorge, die Kapital bilden. Auch jeder Einzelne von uns ist betroffen, der für sich Rücklagen anspart und mit Zinsen rechnet.

Gewinner der Niedrigzinsphase sind all diejenigen, die Kredite benötigen, denn das Zinsniveau ist historisch niedrig. Gewinner sind aber vor allem die Staaten, die sich zu günstigen Konditionen verschulden können, insbesondere Deutschland. Da gleichzeitig die Inflationsrate höher ist als der Zins, führt dies zu einem stetigen Abbau der Staatsschulden. Diese sogenannte finanzielle Repression bedingt aber eine kalte Enteignung der Sparer, sei es, dass sie individuell oder kollektiv Geld zurücklegen.

Die Versorgungsanstalt ist im offenen Deckungsplanverfahren finanziert, einer Mischung aus Kapitaldeckung und Umlage. Ca. 60 % des Punktwerts sind durch Umlage, ca. 40 % durch Kapitalbildung gedeckt. Bereits hieran sehen Sie, dass die Verzinsung zwar ein ganz wesentlicher Bestandteil unserer Rechnung ist, aber nicht der hauptsächliche. Die Mischung aus den zwei Komponenten sorgt für einen Risikoausgleich. Denn die Umlageseite ist stabil und stetig leicht positiv. Dennoch ist der anhaltende Rückgang der Verzinsung für die versicherungsmathematische Rechnung der Versorgungsanstalt ein schwerer Bremsklotz. Da die höherverzinslichen Wertpapiere nach und nach auslaufen und durch geringer rentierende Papiere ersetzt werden, wird es immer schwerer, den Rechnungszins (siehe umseitigen Artikel) zu erzielen. Dies führt dazu, dass die Dynamik gering bis stagnierend ausfallen wird. Eine Änderung ist erst dann in Sicht, wenn die Zinsen über einen längeren Zeitraum wieder angestiegen sind.

Wer aber nun das reine Umlageverfahren der DRV oder die Steuerfinanzierung der Beamtenpension preist, hat ein kurzes Gedächtnis. Allein zwischen 2004 und 2010 gab es in der DRV bei der Dynamisierung vier Nullrunden. Zugleich übersieht er die demographischen Probleme, die bereits mittelfristig auf die DRV zukommen.

Deswegen bietet unser System mit einer Mischung aus Umlage und Kapitaldeckung einen stabilen und gesunden Mittelweg, was nicht heißt, dass uns Krisen nicht zu einer Feinsteuerung veranlassen können. Aber für Sorge um die Stabilität des Systems – wie es manche Presseveröffentlichungen glauben machen wollen – gibt es keinen Anlass. Denn die Versorgungswerke haben die ansteigende Lebenserwartung in ihren Berechnungen bereits eingepreist und die Reservenbildung für Schwankungen der Kapitalmärkte ausgeweitet.

 

Aktuelle Satzungsänderungen

Seit einigen Jahren hat der Gesetzgeber das Steuersystem von der Ertragsanteilbesteuerung zur nachgelagerten Besteuerung umgestellt. Durch die Besteuerung der Rente nimmt der Netto-Versorgungsgrad ab. Im Gegenzug ermöglichen die derzeitigen satzungsmäßigen Versorgungsabgaben den Teilnehmern nicht, die möglichen steuerlichen Entlastungsspielräume in der aktiven Zeit auszunutzen.

Die Anpassung des Beitragssatzes gehört also nicht zu den oben genannten Feinsteuerungsmaßnahmen, verursacht durch die Kapitalmarktkrise, sondern dient ausschließlich der Stabilisierung des Netto-Versorgungsgrades eines jeden von uns durch das Ruhegeld der Versorgungsanstalt. Der Netto-Versorgungsgrad würde ansonsten durch die Besteuerung der Rentenbezüge stetig und dauerhaft absinken.

Wie Sie aus den sechs Fallbeispielen des Artikels nebst Schaubildern über die Satzungsänderungen nebenstehend ersehen können, ist Ihr Mehraufwand auf der Abgabenseite durch die Nutzung der Sonderausgabenabzugsfähigkeit gering, während Sie andererseits bei der Netto-Rente trotz höherer Besteuerung überproportional profitieren. Durch diese Maßnahme passt die Versorgungsanstalt ihren vom Gesetz vorgegebenen Versorgungsauftrag den steuerlichen Rahmenbedingungen zum Vorteil der Teilnehmer an.

Auf diese Weise setzt der Teilnehmer der gemäß Alterseinkünftegesetz steigenden Besteuerung der Rente, also der unausweichlichen Belastung der Rentenphase, eine höhere Entlastung durch Ausnutzung der steuerlichen Absetzbarkeit von Beiträgen in der aktiven Phase entgegen.

Ihre


Dr. med. dent. Eva Hemberger

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Aktuell - Aktuell - Aktuell

Aktuell - Aktuell - Aktuell

Der Beitragssatz zur Deutschen Rentenversicherung (DRV), der auch für die Teilnehmer der Versorgungsanstalt maßgeblich ist, die von der DRV befreit sind, beläuft sich auf 18,9 % (Stand 11 / 2013). Aufgrund der Anhebung der monatlichen Beitragsbemessungsgrenze im Jahr 2014 auf 5.950,- EUR ergibt sich ein Höchstbeitrag von 1.124,55 EUR pro Monat. Die Zahlung eines solchen Beitrages führt bei der Versorgungsanstalt im Jahr 2014 zu einer Jahresleistungszahl von 109,82 %.

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Rechnungszins

Rechnungszins

Der Rechnungszins dient – als eine von mehreren Grundlagen – der Bewertung von Renten bzw. Rentenanwartschaften. Während der Rechnungszins in der privaten Lebensversicherung die Funktion eines Garantiezinses einnimmt, dient er in der berufsständischen Versorgung lediglich der Berechnung und Bewertung von Beiträgen und Leistungen. Die Baden-Württembergische Versorgungsanstalt ermittelt ihren Rentenwert (Punktwert) im offenen Deckungsplanverfahren. Hierbei müssen vorhandenes Vermögen und künftige Beiträge mit den künftigen Leistungen im Gleichgewicht sein. Der Rechnungszins fungiert hierbei als Abzinsungsfaktor für die zukünftig zu erwartenden Zahlungsströme (Beitragsbzw. Leistungszahlungen). Ein hoher Rechnungszins führt zu einem hohen Grundniveau der Versorgungsleistungen, bedeutet aber auch, dass Dynamisierungen erst möglich sind, wenn der Rechnungszins überschritten wird. Von einem hohen Rechnungszins profitieren somit alle Rentner von Rentenbeginn an, während ein niedriger Rechnungszins mit höherem Dynamisierungspotenzial nur diejenigen Rentner begünstigt, die ein höheres Lebensalter erreichen.

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Abgabe-Werte 2014

Abgabe-Werte 2014

Mindestabgabe

(Jahresleistungszahl  20,00 %)
2.457,60 EUR p.a.

Durchschnittsabgabe

(Jahresleistungszahl 100,00 %)
12.288,00 EUR  p.a.

Höchstabgabe

(Jahresleistungszahl 170,00 %)
20.889,60 EUR  p.a.

Krankentagegeldversicherung kann bei Altersrente enden

Krankentagegeldversicherung kann bei Altersrente enden

Nach den Musterbedingungen der Krankentagegeldversicherer (MB/KT) endet die Versicherung mit Bezug von (vorgezogener) Altersrente. In jedem Fall endet die Krankentagegeldversicherung mit Vollendung des 65. Lebensjahres. Der Versicherte kann aber in diesem Fall nach § 196 VVG den Abschluss einer neuen Versicherung verlangen, die spätestens mit Vollendung des 70. Lebensjahres
endet. Auf das Fortsetzungsrecht hat der Versicherer den Versicherten frühestens sechs Monate vor Vollendung des 65. Lebensjahres hinzuweisen.

Fazit: Wenn Sie planen, auch nach Bezug einer (vorgezogenen) Altersrente weiter den Beruf auszuüben, lassen Sie sich von Ihrem Krankentagegeldversicherer beraten.

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VA-Seminare 2014

VA-Seminare 2014

Was bedeutet berufsständische Versorgung und was bringt Ihnen die Versorgungsanstalt?

 

Termine:

  •     Samstag, 22. März 2014 in Heilbronn
  •     Samstag, 11. Oktober 2014 in Titisee

 

Ihre Anmeldung erbitten wir formlos schriftlich
(unter Angabe der Verwaltungsnummer),
E-Mail: info@bwva.de oder Telefax: 0 70 71 / 2 69 34
an die Versorgungsanstalt.

Aktuell 1/2013 als PDF-Dokument