18.10.2012 10:21 Alter: 8 yrs
Kategorie: News-Archiv

Zum Artikel Wirtschaftwoche "Ist wenigstens diese Rente sicher?"


Zur Baden-Württembergischen Versorgungsanstalt für Ärzte, Zahnärzte und Tierärzte führt der Artikel unter Anderem aus, dass es der Versorgungsanstalt in den vergangenen Jahren zunehmend schwer falle, den Rechnungszins zu erwirtschaften. Die Nettorendite sei von 10,1 % im Jahr 2009 auf 2,4 % im Jahre 2011 gefallen.

Der Rückgang der Rendite in diesen drei Beispielsjahren ist kein Beleg für eine kontinuierliche Entwicklung, sondern ist der Marktentwicklung und der Asset Allocation geschuldet, wie sie die Wirtschaftwoche auch beispielhaft darstellt, nämlich ca. ¼ Aktien, knapp 10 % Immobilien und 2/3 festverzinsliche Wertpapiere. Der hohe Aktienanteil im Vergleich zu andern institutionellen Anlegern führt dazu, dass die Rendite der Versorgungsanstalt stärker schwankt als bei anderen Versorgungswerken. So war die überproportional hohe Rendite im Jahr 2009 das Ergebnis des Nachholeffekts aus dem Krisenjahr 2008. Demgegenüber hat die Rendite im Jahr 2011 insbesondere durch die Entwicklung auf dem deutschen Aktienmarkt, in dem die Versorgungsanstalt überdurchschnittlich präsent ist, einen starken Rückgang erlitten.

Um somit die Gesamtentwicklung zu betrachten, ist ein größerer Zeitraum als nur die letzten drei Jahre zu betrachten. Erweitert man den Zeitraum auf 10 Jahre (unter Einbeziehung der Krisenjahre 2002, 2008 und 2011) so ergibt sich ein geometrisches Mittel der Nettorendite von rund 5,7 % p. a., also deutlich über dem Rechnungszins von 4,2 %. Die Schlussfolgerung des Verfassers greift somit zu kurz.

Die Wirtschaftswoche führt im Weiteren aus, dass die Versorgungsanstalt im Jahr 2011 allein beim Aktienvermögen Abschreibung von 259 Mio. EUR unterlassen hat, weil sie diese Aktien nicht dem Umlauf - sondern dem Anlagevermögen zugeordnet hat. Hätte die Versorgungsanstalt die Kursverluste der Aktien komplett abgeschrieben, wäre die Nettorendite auf -0,2 % gefallen. In den Vorjahren habe die Versorgungsanstalt auf Bilanzkosmetik noch verzichtet.

Bei dem Vorgehen der Versorgungsanstalt handelt es sich nicht um Bilanzkosmetik, sondern um die Anwendung von § 341 b Handelsgesetzbuch (HGB). Die Gesetzmäßigkeit dieses Vorgehens ist von den Wirtschaftprüfern attestiert worden. § 341 b HGB setzt das Unternehmen in die Lage, kurzfristige Abschreibungen, die durch die Zufälligkeit des Bilanzstichtages vorzunehmen sind, dann zu unterlassen, wenn sie voraussichtlich nicht dauerhaft sind. Für die Anwendung dieser Vorschrift werden seitens der Wirtschaftsprüfer strikte Vorgaben gemacht, die von der Versorgungsanstalt eingehalten worden sind. Dass diese Vorgehensweise durchaus berechtigt ist, hat sich bereits im Jahr 2008 gezeigt, als im Verlauf des darauffolgenden Jahres sich die Kurse wieder erholt haben. Wie oben ausgeführt, unterliegen die Aktienanlagen stärkeren Kursschwankungen als die Rentenanlagen; für diese Fälle sieht § 341 b HGB die legale Möglichkeit einer Glättung vor. Die Vorschrift verhindert aber nicht, dass im Falle der dauerhaften Wertminderung die Abschreibung nachgeholt werden muss.